Sonntag, 3. Januar 2010

Ein frohes, neues Jahr!

Neues Spiel, neues Glück. Es ist wieder so weit. Wir sind verkatert und mit wenig Erinnerungen aufgewacht. In einem neuen Jahr auf dieser Welt, neben einer heißen Frau namens Leben, nur um zu sehen, dass wir wieder da sind, wo wir vor genau 365 Tagen schon einmal waren. Eigentlich ziemlich fair vom Leben, oder? Man bekommt jedes Jahr eine neue Chance. Ich würde sogar sagen, jeder Mensch bekommt so viele Chancen in seinem Leben wie dieses Tage hat, an denen er morgens aufwacht. 
Auch, wenn es bei mir an Silvester etwas anders lief und ich nicht aufgewacht bin, da ich genau genommen gar nicht geschlafen habe, werden wohl meine Karten genau so neu gemischt wie die euren. Oder? Falsch! Ich mische mir meine Karten selbst, und das solltet ihr auch tun! 

Ich kann stolz von mir behaupten, dass das Jahr 2009 für mich alles in allem erfolgreich war. Sogar so erfolgreich, dass ich mich bereits um den Erfolg für 2010 mit gekümmert habe.
Ich habe alle Altlasten im letzten Jahr gelassen und bin mit Sack und Pack und meinen wundervollen Genitalien bereits am ersten Januar tief in die Geschlechtsorgane des Arbeitsjahres 2010 gerutscht. Natürlich geschützt, ich bin verantwortungsbewusst... immer noch. 

Am 31. Dezember war ich mit Low, Hannibal, NakedDevil, Sgt. Mercy und Pöter auf einer Party bei einem Kumpel aus meiner ehemaligen Stufe. Das war´s. Glaubt ihr nicht? Ich mein es aber ernst. Viel mehr war nicht los in dieser Nacht jenseits des normalen "Hey neues Jahr, ich begrüße dich damit, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann dich begrüßt zu haben!"-Besäufnisses. Nur, dass ich eben wusste, ich würde früh am nächsten morgen aufstehen und zur Arbeit zu gehen.
Genau aus diesem Grund wollte ich es auch langsam angehen lassen. Allerdings wollte NakedDevil nicht, dass ich das tat. Nach einem ersten Drink stand ich durch die gnadenlose Hand der Geister, die ich gerufen habe an der Bar und NakedDevil stand vor mir, mit zwei Kurzen in der Hand. Ich möchte mich an dieser Stelle noch eine Spur prägnanter ausdrücken: NakedDevil hatte zwei Kurze in jeder Hand. Einmal Wodka, einmal Whiskey. Eines coolen Spruchs zum Anstoßen bedurfte es selbstverständlich nicht. Wozu auch an Silvester, jeder wusste doch, wieso er hier war. NakedDevil beließ es bei: "So Leute, wir sehen uns morgen!"
Nach zahlreichen ungesunden, kleinen Sargnägeln, die ich an diesem Abend geraucht habe (ich bin eigentlich Nichtraucher, ich bereue trotzdem nichts) und vielen weiteren Getränken, war es irgendwann null Uhr, 2010 hatte begonnen.
Wie üblich lagen sich alle besoffen in den Armen und wünschten sich ein glückliches, neues Jahr. Wenige Stunden später sollte ich hingegen in unserer WG über der Kloschüssel liegen und kotzen. Davon ahnte ich allerdings noch nichts. 
Vor mir, NakedDevil und Hannibal lag noch eine Tour durch die Stadt. Zu Fuss, im tiefsten Schnee. Darüber sinnierend, wo wir um die Uhrzeit noch etwas zu essen herbekämen. Fragt mich nicht, von welcher Uhrzeit ich hier gerade schreibe. Ich kann es nicht einmal mehr grob schätzen. Aber selbst drei doppelt sehende Partylöwen wie wir kommen in so einer Situation irgendwann zu dem Schluss, dass es entweder hungrig nach Hause gehen muss oder mit dem Taxi zum nächsten Mäcces.
Da ich zu mir selbst den ganzen Abend über schon sehr großzügig war, was die Versorgung meines Körpers mit Treibstoff anging, war ich nun auch noch meinen Freunden gegenüber großzügig, was das Taxi anging. Ich schlug den hervorragenden Deal vor, das Taxi zu bezahlen, wenn sie mir dafür ein Menü ausgeben würden. Hin und zurück beträgt die Strecke zwischen acht und zehn Kilometer. Ihr habt Recht: Nur ein betrunkener Trottel würde sich auf so einen Deal einlassen, geschweige denn ihn vorschlagen in Anbetracht der heutigen Taxipreise. Ich hoffe, ihr vergesst nicht mit wessen Blog ihr gerade eure Zeit vergeudet. 

Wie ging´s weiter? Schnell war ein Taxi bestellt, und wir saßen drin, nach einer kleiner verbalen Auseinandersetzung mit dem verdammt unfreundlichen Taxifahrer verabschiedete ich mich mit "Mach´s gut, Arschloch!" von ihm. Und ja, ich war so schlau das erst zu ihm zu sagen, als wir am Ziel angekommen waren. Danke, dass ihr euch meiner Intelligenz im vollen Kopf noch einmal versichern wollt. 
Mein Menü bekam ich. Allerdings konnte ich mich vor Magenkrämpfen als wir wieder draußen war kaum auf den Beinen halten. Ich habe wirklich keine Ahnung wieso.... vielleicht musste ich einfach kacken, aber das weiß ich nicht mehr. 
Als wir endlich mit dem nächsten Taxi in der Zivi-Wohnung, wo wir alle schlafen wollten (Betonung auf SCHLAFEN!), ankamen legten sich die beiden anderen schnell zum Rest ins Bett. Beziehungsweise die Betten. Es war noch ein paar Leute von meinem Kollegen GoldenLongHair wach und dösten im Wohnzimmer auf einer ausgezogenen Couch benebelt vor sich hin. Sogar sehr benebelt, die meisten von ihnen wohl total high.
Nachdem ich versucht hatte die Uhr zu lesen, es nicht geschafft habe und einfach schätzte, dass es schon zu spät oder zu früh war um überhaupt noch zu schlafen entschied ich mich wach zu bleiben und legte mich dazu. Ich wollte mich nicht nach vielleicht einer Stunde Schlaf aus dem Bett quälen müssen um die anderen dann mit lauten Flüchen zu wecken, die während ich duschte aus dem Badezimmer schallen würden.

Der Arbeitstag war eine reine Tortur. Als ich schließlich anfing war ich betrunkener als so mancher Schriftsteller an all seinen Silvesterfeiern zusammen.
Ich war wahnsinnig müde. Ich versteckte mich zwischendurch eine halbe Stunde auf dem Klo, nur um wenigstens annähernd einen entspannenden Zustand zu erreichen. Low half mir bei dem Küchenbulli. Vielen Dank nochmal, Bruder, ohne dich hätte ich es nicht geschafft. Das ist kein Witz, ohne ihn hätte ich es wirklich nicht geschafft. Ich konnte unmöglich fahren, ich hätte meinen Führerschein niemals wiederbekommen, wäre ich von Bullen fahrend erwischt worden. Abgesehen davon hätten sie mich wohl diabolisch ausgelacht. Ich kann es ihnen nicht verübeln, ich hätte das gleiche getan wäre ich nicht total besoffen, verkatert und so müde gewesen, dass mein Körper auf letzter Sparflamme lief und somit keine Energie mehr für die Gesichtsmuskeln da war. 
Ich will euch nicht mit dem Rest langweilen. Den Schadensfrohen unter euch hätten ohnehin dabei sein müssen. Mein Tunnelblick hätte den ganzen Eurotunnel erfassen können. 
Aber irgendwann... Irgend-, irgendwann war auch für mich der Tag zu Ende, buchstäblich. Ich fiel ins Bett und war tot, wenn auch nur scheintot. Bis zum nächsten Silvester.

Montag, 28. Dezember 2009

Zivi-Tagebuch 28.12.09 - Zeit im Wandel... nicht für Zivis

Die Welt dreht sich. Und dreht sich. Und dreht sich. Immer schneller und schneller. Wer heutzutage keine starken Beine hat um mit der Zeit Schritt zu halten, sollte sich besser irgendwo abseits der Zivilisation ein Leben als Aussteiger führen. Oder, wenn er noch jung ist sich auf keinen Fall ausmustern lassen, sondern Zivi werden.
Denn nach Außen hin hieß es in letzter Zeit nicht selten "Wo ward ihr??", "Ihr dürft nicht mehr in den Dienstplan schreiben!" und "Der Küchenbulli wird nicht zu zweit gefahren!" Veränderungen wohin das zivildienstliche Auge nur sehen kann. Da Zivis jedoch gerne ihre Augen vor der der Arbeit verschließen, sehen sie... ihr könnt es euch denken: Gar nichts. Nach der letzten Dienstbesprechung könnte man meinen, dass einige doch tatsächlich ein Problem damit haben, dass wir Zivis so wenig wie möglich machen. Menschen gibt´s... Ich selbst war nicht anwesend, ich war krank. Ich saß total erschlagen mit einer Bekannten in einem Café in der Stadt und frühstückte. Mir ging es wirklich wirklich schlecht. 
Jedenfalls ist trotz allem von Veränderungen bisher nicht viel zu spüren. Alles geht seinen gewohnten Gang, der meistens ins Bett der Zivi-WG führt und die Pausen sind immer noch viel zu kurz. Aber Staddicc wäre nicht Staddicc, wenn er sich seine zahlreichen, anspruchsvollen Mühen nicht selbst ausgleichen würde. Mit Überstunden, die hin und wieder gemacht werden aber nicht in dem Ausmaß, wie es im Dienstplan wie durch Geisterhand festgehalten wird. Sachen gibt´s.

Egal, was ich hier schreibe, ein Zivi bekommt seine Quittung. Am Dienstende, nach seinem Tod, vielleicht aber auch nie. Oder wenn man besonders viel verdammtes Glück hat an genau dem Tag nach Silvester. Ja genau, dieser Tag heißt "Neujahr" und ist ein Feiertag. Aber nicht nur das, für manche armen Seelen, insbesondere die armen Seelen einiger Zivis, ist es auch ein Arbeitstag. Und für eben diese Zivis ist das der wahrscheinlich am beschissen liegenste Arbeitstag in allen Monaten, die ein Zivildienstleistender jemals ableisten musste. Was soll ich sagen, vielleicht hätte ich zur Dienstbesprechung hingehen sollen, aber dann hätte ich schlecht krank sein können. Vielleicht wäre es aber auch einen Versuch wert gewesen... Tja, my shit´s fucked up. Mal bist du der Hund, mal bist du der Baum. Low hat mit verdammt geiler Weise schon seine Hilfe für diesen Tag zugesagt. So weit diese gehen kann natürlich. Und das, obwohl er frei hat! 

Und ab hier bitte nicht weiterlesen, wenn ihr euch nicht explizit angesprochen fühlt!! Es folgt der wirklich wichtige, aber streng geheime Teil:

So, und da mir jetzt eure Aufmerksamkeit sicher ist (Danke dafür!), bitte ich euch sich bei mir zu melden, wenn ihr ein richtig gutes Mittel gegen Müdigkeit und Nachwirkungen von Alkohol am Neujahrsmorgen kennt. Nicht, dass ich etwas gegen richtig schöne Nachwirkungen hätte, da entstehen immer die besten Ideen, aber in diesem Fall könnte ich einen ULTIMATIVEN MUNTERMACHER doch sehr gut gebrauchen. Schließlich muss ich fahren. Ich bin verantwortungsbewusst!

Samstag, 26. Dezember 2009

Wie ein Burger auszog um die Welt zu verändern Eigentlich: Malle-Facts about NakedDevil

Wie ein Meteorit, der still durch das Universum schwebt sitze ich hier in der Zivi WG. Ich bin alleine, Low und Hannibal müssten gleich kommen.
Leise schallt "The man who sold the world" von Nirvana durch die verlassenen Räume, während ich genussvoll in meinen Double Steakhouse von Burger King beiße. Ich schwör euch, meine Zunge hat abgespritzt, weil der Geschmack dieses kleinen Stückchen alltäglichen Glücks so geil war. Würde ich das Rezept kennen, würde ich diesen Burger in überdimensionaler Größe nachbauen, aber statt den zwei Scheiben Fleich zwei geile Frauen übereinanderlegen. Und diesen Burger dürfte dann Jumbo Schreiner ganz sicher nicht testen.

Das letzte Mal, als ich diesen legendären Burger aß, saß ich mit NakedDevil und drei weiteren Kumpels auf der Hafenmauer von Cala Radjada auf Mallorca. Das war letzten Sommer. Genaugenommen... wenn ich so darüber nachdenke bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob NakedDevil wirklich dabei oder ob er gerade wie so oft in diesen sieben Tagen bei uns im Zimmer unter der Klimaanlage mit zugezogenen Vorhängen vor sich hin vegetierte, während RTL über den Fernseher flimmerte. 
Ihr müsst wissen, dass NakedDevil einmal im Jahr, meistens im Sommer oder eben je nach dem, wann man gerade auf Malle ist, zu einem Vampir mutiert. Dem Biervampir (Achtung: Untertreibung!). Dann schwört er der Sonne bis zur Leichenstarre ab und kommt nur noch nachts raus um seine Opfer auszusaugen. Die Opfer sind entweder Bierflaschen oder stark alkoholhaltige Longdrinks. In einem All-inklusive-Hotel hat das den Vorteil, dass er seine Beute nicht lange verführen muss bis sie sich im willenlos hingibt. 
Wäre da nicht dieses winzige Problem, dass sich sein doch weitgehend menschlicher Körper gegen sein Dasein Kreatur der Nacht erheblich wehrt. Und nicht nur gegen dieses Dasein an sich, sondern somit auch gegen alles, was damit zusammenhängt. In allererster Linie gegen seine Beute. 

Der Widerstand seitens seines Körper geht sogar so weit, dass NakedDevil heute noch den wahnwitzigen Rekord von 14 Mal kotzen in einer Woche hält! Damit ist ihm der Großteil von insgesamt 21 (waren es wirklich nur 21!?) Ausflügen ins Land des rückwärtigen Essens zu verdanken. 
Doch nicht nur sein Suchtverhalten ist in dieser Hinsicht erstaunlich, und Suchtverhalten ist hier keine zynische Bezeichnung. Einmal lag er tatsächlich auf seinem Bett und zitterte unkontrolliert ohne zu wissen wieso. Es lag wahrscheinlich nur an dem herausragenden Fernsehprogramm, das wieder lief. 
Nein, unser lieber NakedDevil hat es auch geschafft in sieben Tagen auf Mallorca bei schönstem Wetter (wenn man eben nicht gerade ein Vampir ist) nicht ein Mal, ich wiederhole: Nicht ein einziges Mal!!! den Strand gesehen! "Da sind überall diese verfickten Bastardameisen!" Wozu auch an den Strand gehen, wenn der Hotelpool mit angrenzender Bar direkt vor der Tür liegt...
Außerdem bekommt man am Strand nur Sonnenbrand. Und zwar am ganzen Rücken, wenn man seinen Rücken nicht wie ich letztes Jahr freundlicherweise zum Teil mit Sand bedeckt, während NakedDevil schläft, so dass ein schönes Touristenrot-weißes Tarnmuster dabei rauskommt.

Naja, zu was für geistigen Ergüssen unbelängliches Geschreibsel über einen Burger nicht doch führen kann. Das ist das Schöne am Schreiben: In den meisten Fällen weiß ich genau so wenig wie ihr, wie der Eintrag enden wird. Deswegen steht auf diesem Blog wohl auch fast ausschließlich leere Scheiße in digitaler Form. Da habt ihr es, ich schweife schon wieder ab.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Christmas came early...

Jedes Jahr das gleiche Theater. Immer, und immer, und immer, und immer. Irgendwann werde ich an Weihnachten in den Süden fliegen. Irgendwohin, wo es anders ist als hier. Wer kann auf dem Sterbebett von sich behaupten sein dreißigstes Weihnachten in einem hawaiianischen Bordell verbracht zu haben? Ich wäre der einzige Opa, der seine Enkel mit Geschichten aus vergangenen Zeiten nicht langweilt. Aber vielleicht sollte ich mit solchen Geschichten warten bis meine Enkel alt genug sind. Und hoffen, dass ich mein dreißigstes Lebensjahr erreiche. 
Aber da Weihnachten nunmal die Zeit der Liebe ist (besonders in meinem Bett), reiße ich mich auch dieses Jahr zusammen und lasse alles in stiller Resignation über mich ergehen. Wie bei einer Vergewaltigung.

Moment, Zeit der Liebe!? Hab ich mich da verschrieben? Was tut mein Kopf hier? Ich habe gerade ziemlich alles, nur nicht den Eindruck von Liebe. Es könnte natürlich meiner vorrübergehenden Schizophrenie geschuldet sein, aber auf mich wirkt das alles irgendwie sehr künstlich.
Zumindest war es die letzten Tage so. Ein Weihnachtsbaum, den zu schmücken wieder an mir hängen blieb und ein etwas zickiger Vater, der aus unbekannten Gründen anscheinend nicht recht wusste, wieso er eigentlich so nervös ist. Väterchen, du musst doch nur die Vorspeise machen, den Rest besorgt die Verwantschaft. Aber trotzdem kann ich mich nicht von dem Eindruck trennen, dass doch keiner so genau weiß, wie er das Fest der Liebe auch dieses Jahr wieder stressfrei hinter sich bringen kann.
So bleibt uns nichts anders übrig als es so lange wie möglich zu verdrängen um einen Großteil der Geschenke am Vormittag des 24. Dezembers zu kaufen. Und sich den Nachmittag Gedanken darum zu machen, was man abends anzieht, nur um sich nicht mit dem eigentlichen Sinn beschäftigen zu müssen.
Wisst ihr was? Scheißt einfach drauf! Scheißt auf den Baum. Scheißt auch auf die Geschenke und scheißt auf die in rotes Samt gehüllten Nutten, an die ihr denkt, während ihr Großvater August dabei zuseht, wie er trotz Ente im Mund sein Gebiss zurechtrückt.
Holt stattdessen einfach den guten Konjak raus, greift euch dazu einen Keks vom süßen Teller, seht euch gegenseitig einmal in die Augen und stoßt an. Verdammt, es ist Weihnachten. Also stoßt an und stoßt an und stoßt an. Das schönste Geschenk ist mit der Familie zu lachen, weil das Lachen ein Jahr lang auf der Strecke geblieben ist.
Nichts im Leben hat es verdient, zu ernst genommen zu werden. Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten!

...to me.

Montag, 21. Dezember 2009

Weihnachten ist eine Hure

Fuck it. Ich bin untreu. Ich habe gerade tatsächlich das erste Geschenk dieses Jahr gekauft. JETZT SCHON! Ein Buch für meinen Vater, fehlt nur noch der Rest der Sippe.
Ich hasse diese Geschenkescheißerei. Ich zerbreche mir jedes Jahr den Kopf, was man verschenken könnte um selbst nur Geld zu bekommen. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. Das Problem ist einfach, dass die zeitlosen Klassiker wie witzige Tassen, Honig oder kunstvolle Kerzen langsam abgegriffen sind. Tee. Tee in einer schönen Dose wäre mal was. Das habe ich das letzte Mal vor zwei Jahren verschenkt.... Das ist lang genug her, oder!?

Aber dieser unerwartete Anfall weihnachtlicher Euphorie sollte schon bald betraft werden. Ich war fünf Minuten unterwegs, da bahnte sich seltsamer Weise ein Stau an und ich fuhr zurück zum Kaufland, wo ich eigentlich nicht hin wollte.
DAS WAR SCHICKSAL!! Nicht, weil es beim Kaufland ein hoch romantisches Geschenk gab, für das ich zum kaufen vorherbestimmt war, sondern weil es dort absolut garnichts gab! Nur die alberne, kitschige Scheiße wie man sie jedes Jahr als Kleinigkeit verschenkt, wenn man sonst nichts weiß (eigentlich könnte man also diesen letzten Nebensatz streichen). Dämliche Porzelanfiguren, Kunststoffgestecke um sie bis zum nächsten Jahr im Keller verstauben zu lassen, und Keksdosen in Engelsform. 

Aber ein Abstecher in die Schnapsabteilung ist immer drin. Ihr könnt euch denken, wo ich letztendlich landete. An Weihnachten geht es nicht um Geld, also wieso verschenkt man nicht einfach eine Dose Bier? Billiges Bier. Paderborner oder 5.0. Zusammen mit einer schönen Karte, oder auch keiner Karte, weil man den Rest des Geldes für sich selbst in teureres Bier für den nächsten Freitagabend investiert. Das wäre mit Sicherheit eine gelungene Abwechslung, es kommt nur darauf an, wer beschenkt wird. Der Obdachlose, der unter dem kaputten Sonnernschirm hinterm Bahnhof wohnt würde sich sicherlich freuen. 
Oder Kaffeefilter? Ja eben, es sind nunmal die kleinen Dinge des Lebens. Warum zur Hölle können dann nicht auch kleine Dinge verschenkt werden? Ich gebe ja zu, Kaffeefilter sind nicht gerade ein küchentechnisches Accessoire der Haute Cuisine im Ritz, aber irgendwann, vielleicht aber auch nie, wird der Zeitpunkt kommen:

Tante Gertrut bekommt Besuch. Es ist Sonntag nachmittag, kurz vor halb vier. Die ersten Gäste parken gerade ihre silberne C-Klasse. Und plötzlich kommt Walter Freiwald mit einer Wanne voll Altöl in die Küche gestolpert. Die Kaffefilter bekommen das Meiste ab, den Rest die Tante. So eine Schweinerei aber auch! Wie verdammt soll man jetzt noch Kaffee kochen? Selbstverständlich kommt der Wasserlösliche nicht in die Tüte. In welche auch, es sind schließlich alle in dem ehemaligen schwarzen Gold ertrunken. Ladies and Gentlemen, wir präsentieren: Den Aha-Effekt! "Natürlich! Wir haben doch noch die Kaffeefilter von unserem Lieblingsneffen. Der Junge mit seinen scheiß Geschenken. Endlich brauchen wir die mal tatsächlich, im Vergleich zu diesen albernen Tassen!" 
Ha! Und in diesem Moment, möge er auch niemals kommen, das hängt von Walter Freiwald ab, werde ich da sein und laut lachen, während ich mit einer Tasse frisch gekochtem Kaffee auf mich selbst anstoße.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Eine Anti-Capitol-Versicherungen-Weihnachtsfeier

Es war verdammt kalt, als ich gestern vor dem Eingang des Hauptgebäudes der Zeitung, für die ich schreibe, stand und mit einem Blick auf den Schritt meiner Jeans sehen konnte wie meine Genitalien kleiner und kleiner wurden.

Aber ich hatte das Glück, dass es eine Klingel gab. Ich drückte und hörte eine Stimme:
"Ja!?"
"Hi, ich möchte zu der Weihnachtsfeier!"
"Moment, bitte."
Von da an ging alles sehr schnell. Nach nur zehn kalten Minuten kam schon eine Frau heraus, um mir zu öffnen.
Ich ging ihr hinterer, in den Medienraum. Es saßen bereits einige freie, sowie feste Mitarbeiter am Tisch. Ich schätze es waren so gut fünfzehn Leute, mehr sollten es nicht mehr werden.

Ich war mir erst nicht sicher, ob ich hingehen sollte, aber letztlich entschied ich mich dafür. Ich kannte keine Sau. Aber schließlich hört man von Weihnachtsfeiern immer nur die besten Geschichten, und wenn nichts half konnte ich mich immer noch umsonst durchsaufen.
Zugegeben, ich war bisher auf keiner anderen beruflichen Weihnachtsfeier, aber auf dieser war weniger los als in meiner Hose, nach einem Liter Vodka und zwei Tabletten Valium. Die meisten Toten sind aufregender.

Ich hatte es mir wirklich aufregender vorgestellt. Es gab nicht einmal ein heiße mit Sekt angefüllte Sekretärin, die nur darauf wartete vom Chef eine persönliche Führung durch sein Büro zu bekommen um ihm anschließend eine persönliche Führung durch ihre inneren Gefilde zu geben. 
Der Höhepunkt war eine freie Mitarbeiterin, die etwas angeheitert über die Witze eines Typen mit einer wahnwitzigen Föhnfrisur lachte. Ach Kacke, eigentlich war seine Frisur der wahre Höhepunkt dieser Trauerfeier. Stellt euch einen zu weit nach oben gerutschten Pottschnitt vor. Allerdings ohne Haare, sondern stattdessen mit einem Knoten aus Regenwürmern auf dem Kopf. Das Ganze passend zum Hebst in einem rotbraunen Farbton. 
Es folgte etwas sporadisches Geplänkel mit dem Chefredakteur, ein paar spannende Gespräche über Fotogeschäfte hier in der Umgebung, sowie die Preise für verschiedene Kameras.

Trotz Allem: Es hat sich gelohnt! Es sind zwei Flaschen Wein für mich rausgesprungen, von dem Guten. In Flaschen, mit Korken. Roter und Weißer sogar. Prost!

Und jetzt werde ich mich an die Ausarbeitung streng geheimer Pläne machen, wie die nächste Weihnachtsfeier gecrasht werden kann. Auf die coole Art und Weise, wie die richtigen Hochzeitscrasher. Nicht wie die beschissenen, langweiligen "Einzig wahren"-FAKE!!!-"Hochzeitscrasher", die irgendwo aus einer Mülltonne hinter dem ProSieben-Gebäude für schlechte Eigenproduktionen getröpfelt sind.

Montag, 14. Dezember 2009

Ein fetter Kerl namens Bob

Darf ich vorstellen? Bob. 
Bob ist das Musterbeispiel eines Verlierers. Ein totaler Stubenhocker, seine Bewegungen beschränken sich auf das Klicken der Maustaste und das Trainieren seines Wichsmuskels. Er rührt nicht einmal die Tastatur zu seinem PC öfter an als nötig, deswegen ist sie wohl auch so verstaubt. 
Wenn Bob nicht gerade einen Porno herunter lädt oder eine volle Tüte Chips in eine leere verwandelt, schläft er. Manchmal schaut er auch Star Wars. 

Früher hatte Bob ein kleines Meerschweinchen. Damals war er noch ein kleiner Junge ohne Gewichtsprobleme, obwohl er selbst es heute nicht als Problem betrachtet. Bob kümmerte sich rührend um seinen kleinen Freund. Er säuberte den Käfig, saß im Sommer stundenlang draußen mit dem kleinen Ding, und er gab ihm zu Fressen. Theo hatte er es genannt. 
Eines schönen Sommertages saß Bob wieder einmal draußen und spielte mit Theo. Er hatte Theo ein paar Tricks beigebracht, so konnte sein pelziger Gefährte eine kleine runde Tonne aus Holz vor sich herrollen, um anschließend seine Belohnung zu bekommen. 
Irgendwann am Nachmittag lief die Tochter des Nachbarn die Straße herunter. Bob sah ihr hinterher, wenn das auch nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Sie war etwas älter als er. Es war ein heißer Tag und sie schwitzte ein wenig, trotz ihres kurzen Rocks. Offenen Mundes starrte er ihr sie mit großen Augen an.
Als sie außer Sichtweite war sah Bob trotzdem nicht weg, irgendwann erinnerte er sich dann aber doch an Theo. Wo war Theo? Gute Frage. Bob ging mit vorsichtigen Schritten durch den Garten und hielt die Augen offen. Als Bob der Gedanke kam, dass Theo vielleicht weg war überkam ihn ein seltsames Gefühl. Es war dieses Gefühl, das er von nun an noch so oft haben sollte. Es fühlte sich an wie ein Kloß im Hals, obwohl es sich mehr als Leere im Magen bemerkbar machte.
Bob fing an zu weinen und rannte ins Haus. Er war so geschockt, dass er etwas essen musste. So griff Bob in den Schrank, eine Tüte Chips kam zum Vorschein. In seiner Panik zerrte er an der Tüte, doch er bekam sie nicht auf. Er zerrte weiter und riss sie schließlich in Fetzen. Auf dem Tisch, auf den Stühlen, auf dem Herd, auf der Bank, in der Spüle. Überall waren nun die Chips verteilt. Bob fing noch mehr an zu weinen. Als er sich etwas beruhigt hatte blickte er sich um, dann setzte sich Bo auf die Eckbank. Die Chips, der dort lagen zerbröselten unter seinem Hintern. Zumindest waren sie knusprig, dachte er. Er griff neben sich und steckte sich eine Hand voll Chips in den Mund. So saß er da eine Weile, bis er beschloss draußen noch einmal nach Theo zu suchen. 
Bob kam gerade in den Garten, als er sah wie ein großer Raubvogel im Sturzflug auf einen Busch zusteuerte. Hinter dem Busch riss der Vogel um und schwang sich wieder in die Lüfte. Er hatte sich etwas gegriffen und trug es nun in seinen Klauen davon. Was war das? Bob kniff die Augen zusammen und sah angestrengt hinterher. Es sah beinah genau so aus wie ein Meerschweinchen. Oh mein Gott, war das etwa Theo, der da gerade einen Rundflug in der ersten Reihe mitmachte um anschließend das Abendessen für die Küken zu stellen? Bob fing wieder an zu weinen. Schreiend rannte er erneut in die Küche.

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Bob hat Theo vergessen und mittlerweile ist er vermutlich eine Million Mal in die Küche gerannt um nach einer Tüte Chips im Schrank zu greifen. Um ehrlich zu sein, ist er die letzten hunderttausend Mal nicht mehr gerannt, aber dafür hat er schnell gelernt eine Chipstüte zu öffnen ohne den Fußboden mit ihrem Inhalt auszulegen. 
Für Bob ist es mittlerweile Normalität geworden Pornos zu gucken, er tut es bloß noch aus Gewohnheit. Er würde alles darum geben, wenn “ihn” einmal eine Frau anfassen würde. Aber das sind nur Wunschgedanken in Bobs Kopf und so sucht er weiterhin die schnelle Befriedigung in Pornos um diese zermürbende Sehnsucht loszuwerden. Zumal Wichsen und Essen doch angenehm harmlose Beschäftigungen sind. 

Eines Tages, nachdem Bob wieder einmal einen Porno gesehen hatte, aber dann zum masturbieren zu faul war, ging er raus. Es war einer dieser natürlich ungestellten Pornos, in denen die Typen fremde Frauen auf der Straße ansprechen um sie anschließend schon im Minivan auf der Fahrt nach Hause durchzunehmen. Bob hatte keine Ahnung was er da tat, und schon gar keine Ahnung warum er es tat, aber er wollte es tun. Wahrscheinlich zwang ihn die Einsamkeit, gelangweilt von den unechten Titten und den falschen Orgasmen in den Pornos, nach draußen. Er war die meistens Zeit kein solcher Trottel, wie es oft den Anschein erweckte. Er ging nicht davon aus, dass eine Frau mit ihm nach Hause fahren würde, aber vielleicht würde die ein oder andere etwas Nettes zu ihm sagen.
Bob lief stundenlang durch die Stadt. Da war zum Beispiel eine Frau. Und weg war sie wieder. Und da ist die Nächste. Und schon ist sie wieder verschwunden. Jetzt aber die, zwar hässlich aber… ok, mittlerweile auch weg. Was war so schwer daran? Bob, du musst nur hingehen und etwas sagen! 
Immer, wenn eine Frau an Bob vorbeiging, schossen ihm plötzlich tausend Gedanken durch den Kopf. Dummerweise beinhaltete kein einziger dieser Gedanken etwas, das er zu ihr hätte sagen können. Zumindest nichts Sinnvolles. “Hi, ich bin Bob. Guck mal, ich kann hinter den Ohren schwitzen.” Nein, das war wohl nicht das richtige. Bob war traurig und frustriert. Er wollte doch einfach nur mal jemanden kennen lernen. Eine Frau, zum Reden und sei es nur für 5 Minuten auf der Straße gewesen.
Und so machte sich Bob auf den Weg nach Hause. Doch schon nach ein paar Schritten blieb er stehen. Er war sauer! Auf sich selbst. Er wusste er tat sonst nie etwas, deswegen wollte er nicht gehen und sich wieder einfach so vor seinen Computer setzen, nach einem Abstecher in die Küche. Er drehte sich um und schluckte. Dann ging er schnellen Schrittes auf die nächst beste Frau zu. Er stellte sich vor sie, woraufhin sie stehen blieb. Gezwungenermaßen, denn sie kam an ihm nicht so ohne weiteres vorbei. 
Bob sah ihr direkt in die Augen, mit fester Stimme sagte er: “Hi, ich bin Bob! Wie geh…” An dieser Stelle wurde er von ihrem lauten Lachen unterbrochen. Sie stolperte davon, während sie sich ihren Bauch hielt und unterdessen weiter kicherte. Bob stand da. Einige Leute sahen ihn an und gingen dann weiter. 
Immerhin hatte sie ihn angesehen, tief in seine Augen. Sie hatte so ein wundervolles, strahlend schönes Lachen. Bob grinste breit und ging so noch eine Weile durch die Stadt. Die eine oder andere Frau sah ihn sogar an. Er wusste nicht, woran es lag und es war ihm auch egal. Er fühlte sich gut, es war ein schönes Gefühl. Besser als jeder technisch generierte Orgasmus, den er vor seinem Computer in seinem Zimmer über der Küche jemals hatte.