Freitag, 26. März 2010

Der neue Phönix

Gemeinsam schlugen wir uns 
in den Schlachten der Liebe.
Immer nahe dem Abgrund
mit dem Ziel der Vollkommenheit.
Mein Herz war geblendet, 
nicht stark. 
Ich verlor den Halt in dir 
und stürzte hinab. 
Du solltest ich nicht retten. 

Doch mein tiefer Fall 
endetet in einem Tal der Hoffnung. 
Und mein zukünftiger Weg
war gepflastert aus Stärke und Glück. 
Nun stieg ich empor.
In strahlender Liebe 
fliege ich über dem, 
was du Leben nennst. 
Du winkst mir zu, 
doch bist nicht das Ende meines Fluges. 

Und was nun herrscht
ist Freiheit.

Die Freiheit der Riesen

Diesseits des Horizonts
stehen die Mauern, 
die das Leben verbergen.
Erbaut von Zwergen
Die Grenzenlosigkeit ist den Riesen vorbestimmt. 

Sie zu erschaffen ist leicht
Sie zu durchbrechen ist Macht
Und dahinter: 
Pures Glück

Verstecke dich nicht im Schatten
Erblicke das Licht
Es kann dich blenden
Doch öffnest du deine Augen
Wirst du selbst erstrahlen.

Montag, 22. März 2010

Zivi-Tagebuch 22.03.10 - Doch noch ein Arschtritt

Als Zivi neige ich dazu meine körperlichen und geistigen Aktivitäten aufs Nichts tun zu beschränken. Ihr habt das sicherlich schon bemerkt, das hier ist erst der dritte Eintrag diesen Monat. Staddicc, du faule Sau!

Aber es gibt Neuigkeiten: Ich dachte schon, ich wäre ein schlechter, wohl möglich gar kein richtiger Zivi und müsste ohne amtlichen Anschiss aus meinem Dienst am Staate scheiden. Aber glücklicherweise hat meine Dienststelle nun doch Grund am Tag meiner Entlassung keine Trauermusik zu spielen, sondern stattdessen ein Feuerwerk zu zünden. 
Nach unserer winzig kleinen, und völlig ruhigen Feier zu Sgt. Mercys Geburtstag am letzten Wochenende wurden wir am Montag ins Büro der Personalleitung gerufen. Wir dachten uns schon, dass es einen Arschtritt geben würde. Ein anderer Zivi, der Urlaub hat und in unserer WG wohnt, hatte uns bereits erzählt, dass der Chef in der Wohnung war und irgendetwas von einer Beschwerde gefaselt hatte. 
Da standen wir also wie die ausgestopften Vögel auf der Stange in seinem Büro und wurden von geheucheltem Ärger über unser Verhalten in die Abgründe des Schuldbewusstseins gestürzt. Irgendwie kam es bei mir nicht so an, als interessiere ihn die Angelegenheit wirklich. Eher so, als müsste er sich der Form halber etwas aufregen. Er erklärte uns, dass er noch spät in der Nacht eine Mail vom Hospiz  erhalten habe, welches direkt neben unserer WG liegt. In dieser Mail war von lautem Gegröle und Geschreie die Rede. Keine Ahnung, wie die Tanten da auf so eine Schnapsidee kommen. Jedenfalls geht aus meinem letzten Eintrag ja schon eindeutig hervor, dass es bei uns ruhig zuging und wir kein bisschen "gegrölt" haben. Und selbst wenn. Ich frage mich, wovor die sich Sorgen machen. Davor, dass einer der schon fast kalten Menschen dort nochmal ein bisschen Spass haben und neuen Lebensmut fassen könnte? Oder etwa davor, dass die beinahe tauben Bewohner ein fernes, leises "Sauft, ihr Schlampen!!" vernehmen? Also ehrlich, man kann auch pingelig sein. 
Das Ende vom Lied hat sich dann jedenfalls so angehört: "Sie werden morgen eine schriftliche Ermahnung von mir bekommen. Außerdem werde ich mir morgen früh die Wohnung ansehen. Ich erwarte, dass sie tiptop aussehen wird und Sie etwas gegen den katastrophalen Zustand unternehmen werden, der jetzt dort vorherrscht." 
"Katastrophaler Zustand". Das sind auch die Worte, die in unserer Auszeichnung... oh pardon, Ermahnung gebraucht wurden. Gott sei dank darf er in unserer Wohnung nur die "öffentlichen" Räume sehen, also das Wohnzimmer, die zwei Bäder und die Küche. Hätte er gesehen, dass wir in unserem Zimmer aus zwei Hochbetten eine riesige Spielwiese gemacht haben, die mittlerweile nur noch aus drei heilen und einem ziemlich zerstörten Bett besteht, wäre er möglicherweise wirklich etwas ungehalten geworden. 
Aber verdammt! Ich bin wirklich stolz auf mich. Ich hatte schon ernsthaft Angst, dass ich aus meinem Zivildienst nichts mitnehme, was ein Nachweiß meiner Arbeitsmoral und meines Respekts vor dem Zivildienst ist. Naja, ist ja alles nochmal gut gegangen... Ich glaube, ich werde meine Ermahnung in mindestens Din A3 ausdrucken lassen und sorgfältig eingerahmt in der WG an die Wand hängen. Oder ich verteile sie als Flugblätter in der ganzen Stadt: "Guten Tag, meine Name ist Staddicc. Ich bin ein Repräsentant des Staates diene der Gesellschaft. Darf ich Ihnen diesen Flyer mit nach Hause geben?" Und, wenn die Leute weinend davonrennen würde ich ihnen nachrufen: "Empfehlen Sie mich weiter!" Möglicherweise tapeziere ich mit der Ermahnung aber auch einfach nur in hunderter Ausführung die Wände... Ich wüsste gerne, was es dann bei der nächsten Wohnungsbesichtigung zu hören gäbe.

Samstag, 13. März 2010

Zivitagebuch 13./14.03.10 - Ein Abend, der eines Zivis würdig und eines Soldaten unwürdig ist

So! Wir sind gerade in unserer WG und es hallt von irgendwoher laut grölend ein besoffener Mensch: "Disko Pogo!!!" (Aus der Anlage oder aus einem menschlichen Sprechorgan).

Es wird heute Zeit in den Geburstag von Sgt. Mercy reinzufeiern... Meine Blicke wandern von einem Exzess zum nächsten. Allen voran Till, der gerade einen Bierbong (gefüllt nicht nur mit Bier, sondern auch mit Jägermeister) vernichtet und anschließend wieder im Klo entsorgt hat. Mittels Nase und Mund... Hauptsächlich Nase! Und jetzt singen alle Atzen. Alle, die sich seit langem mal wieder zusammen gefunden haben und auf den Schränken, auf dem Tisch sowieso und in ein paar Minuten wohl auch auf ihren nackten Freundinnen tanzen.

Eine Sekunde...

So, dem Sgt. wäre jetzt damit auch gratuliert. Auch, wenn er zu mir sagte "Ey, warte... die Coolen Leute kommen am Schluss!" Ich meine zu ihm, ich sei wohl nicht cool... "Na dann fick dich!"
Sehr sympatisch unser Freund, der, weil er in seinem Beruf so wahnsinnig beschäftigt ist immer unglaublich viel zu tun hat und deswegen haufenweise Fotomontagen mit Photshop macht. Unter anderem eine Montage vom Hangovertitelbild, bei dem er Lows und seins und mein Gesicht bei den "richtigen" Leuten eingefügt hat. Naja, ich war der fette Volltrottel...

Und jetzt geht´s ab in die Disko. Hoffen wir, dass NakedDevil es diesmal auch schafft. Er hat zwar heute, genau wie letztes Wochenende gesagt: "Diesmal schaffe ich es auf jeden Fall in die Disko! Zumindest lebendig."

Immer diese Soldaten... Zivis sind eben doch die Härteren. Wer weiß, vielleicht schläft er aufgrund der unerträglichen Schmerzen rektaler Herkunft.

Mittwoch, 3. März 2010

Zivi-Tagebuch 3.03.10 - Tage zählen

Stellt euch vor ein Stein fällt zu Boden. Und er fällt und fällt und fällt. Ihr seht auf die Uhr. Der Stein fällt weiter. Ihr seht wieder auf eure Uhr, es sind zwei Stunden vergangen und der Stein ist kurz davor auf den Boden aufzutreffen. Doch plötzlich scheint etwas seinen Fall zu bremsen und alles geht langsamer. Der Stein schwebt beinah in der Luft. Es vergehen zehn weitere Stunden bis der Stein auf dem Boden auftrifft und ihr werdet in dieser Zeit noch sehr oft auf die Uhr schauen. 

Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit bis ich fertig bin. Nur noch...
Nach meiner Planung muss ich im April noch zwei Tage arbeiten. Das bedeutet, ich muss noch 24 Tage für Vater Staat den Arsch hinhalten, danach habe ich Urlaub. Noch 192 Stunden. 192 theoretische Stunden, wohl kaum 50 praktische. Ich habe nicht vor in diesem Laden noch die Karriereleiter zu erklimmen. Betrunken runter zu fallen, scheint mir da das sinnvollere Ziel zu sein. 
Noch gut drei Wochen arbeiten, dann werde ich in Vorruhestand eines Zivis versetzt. Selbstverordnet versteht sich. Und dann steht Urlaub an. Die passive Phase, in der ich nur noch auf dem Papier Zivi bin. 
Dann wird es nie wieder "Ach, mir geht es so schlecht."; "Ich weiß nicht, was mit mir los ist."; "Mir ist so langweilig, ich will nach Hause, lassen sie uns Mensch-ärgere-dich-nicht spielen." und schon gar kein "Unter meinem Bett ist bestimmt eine Wasserader, deswegen schlafe ich so schlecht. Gucken Sie mal, wie mein Pendel ausschlägt!" mehr geben. Falls es Euch immer noch nicht aufgefallen ist, jetzt merkt Ihr es sicher langsam: Ich liebe diesen Laden fast so sehr wie Sand in der Kimme.
Jedoch hat mir Low erst heute eine ebenso witzige wie bezeichnende Episode unseres tristen Alltags erzählt: 

In seinem Stammhaus wohnt mittlerweile eine gewisse Frau D. Diese Frau kenne ich aus der Kurzzeitpflege und sie ist ein Musterbeispiel an Weinerlichkeit und Selbstbemitleidung. Und auch alte Menschen haben hin und wieder Geburtstag, auch wenn sie selbst es nicht wissen und teilweise vehement bezweifeln, wie Ihr sehen werdet. Aber dafür gibt es ja das in Kalenderführung umfassend geschulte Pflegepersonal. Und so war heute Frau D.s großer Tag gekommen. Frau D. befand sich natürlich wieder einmal im Kampf mit dem Tode und den herzzerreißenden, bitteren Tränen einer leidenden Hypochonder. Doch gerade als sich die ganze Mannschaft vor Frau D. versammelt hatte, schlug ihre Stimmung um und sie verfiel in einen Kampf mit der Müdigkeit. Irgendwann ist das eine Schwester zu ihr ans Sofa gekommen:
„Frau D. Herzlichen Glückwunsch, die haben heute Geburtstag!“
Mit sehr weinerlicher Stimme:„Was, ich? Geburtstag? Nein, das kann nicht sein... Aber bitte, helfen Sie mir.“ Währenddessen stimmte der Amateurchor ein Geburtstagsständchen an, allerdings war Frau D. von dem ganzen wahnsinnigen Aufruhr dermaßen erschöpft (komischerweise war sie das vorher auch schon, und gestern auch schon, und an dem Tag davor ach), dass sie sich prompt wieder auf dem Sofa lang machte und weiter schlief, während sie das Personal ungestört, aber auch unbeteiligt ihr Liedchen trällern ließ. 

Hört sich irgendwie nach einem Geburtstagsmorgen von mir an, wenn ich reingefeiert habe...

Donnerstag, 25. Februar 2010

Der Zauberlehrling

Frank sah sich im Zimmer um, es wirkte einsam. Vielleicht auch, oder gerade weil es so riesig war, mit dem großen Bett, der Tür zum begehbaren Kleiderschrank daneben und auf der anderen Seite dem Eingang zum Badezimmer. Er saß in dem Sessel vor dem großen Fernseher, auf dem Hocker neben ihm ein Glas halb voll mit Scotch. Er bemühte sich etwas zu hören, irgendwas. Doch da war nichts, tödliche Stille. Nur das Bild des Plasmafernsehers flimmerte vor seinen müden Augen, ohne Ton. 2300 Euro für 130 cm Bilddiagonale, inklusive eines DVD-Players, den Frank verschenkt und sich stattdessen einen anderen gekauft hatte, weil dieser keine Filme aufnehmen konnte. Im Bild räkelten sich nackte Menschen umeinander. Es war schon spät und mehr als Pornos hatte das Fernsehen um die Zeit nicht zu bieten. Der typische Höhepunkt eines typischen Tages. 
Frank war müde von der Show. Es waren wieder viele Menschen gekommen um zu sehen, wie er die physikalischen Grenzen aufhob und das Unmögliche möglich machte. Manche von ihnen waren aber auch einfach nur Kritiker, die ein Ventil brauchten um dem Ärger mit ihren betrügerischen Ehefrauen Luft zu machen. Sie versuchten es immer wieder, doch sie fanden nie etwas zu beanstanden. Franks Show war perfekt, sie war echt.

Als Frank am nächsten Tag aufwachte, schien die Sonne bereits durch die Rollläden. Er putzte sich die Zähne, schmiss eine Aspirin ein und spülte sie mit Bier runter. Er war jedoch nicht der Typ, der schon morgens trank. Vermutlich wäre er es gewesen, wäre er um die Zeit schon wach gewesen. 
Frank suchte seine Jacke. Am Abend hatte er Tom, einen alten Freund, zufällig bei seiner Show getroffen und nun waren sie zum Essen verabredet. Tom wusste nicht, dass Frank als Magier der Mittelpunkt der ganzen Show war. Wie auch, Frank trat unter einem Pseudonym auf. Tom war völlig von den Socken, als Frank in der Lobby zufällig an ihm vorbeiging. Sie hatten sich in der Schule kennen gelernt, damals hatten sie zusammen Französisch. Es war Tom schon damals ein Rätsel gewesen, wie Frank es in jeder Klausur schaffte zu spicken, ohne in all den Jahren einmal erwischt zu werden. Und Frank war gut. Er spickte so hervorragend, dass er nie lernte und trotzdem nur die besten Noten bekam. Aber Tom machte sich letztlich nie weiter Gedanken darum, da Frank anscheinend nicht gern seine Geheimnisse ausplauderte und so lange er ihn abschreiben ließ, war für Tom auch alles in Ordnung. 
„Deine Show war fantastisch! Besonders der Kleinen hat sie gefallen.“, begann Tom, nachdem sie sich einen Tisch gesucht hatten. Es war ein teures Lokal, Frank lud ihn ein.
„Damit meinst du die süße Zwanzigjährige, die in der Lobby neben dir stand?“
„Erstens ist das meine Tochter und zweitens, ist sie vierzehn.“ 
Frank wurde etwas rot: „Naja, sie sieht schon aus wie eine Große.“
„Ich weiß, das geht heutzutage viel zu schnell. Du musst sie unbedingt mal kennen lernen, sie ist ein wundervolles Mädchen.“
„Vielleicht zu ihrem achtzehnten Geburtstag.“ Frank versuchte zu grinsen, aber Tom sah ihn nur etwas verstört an, deswegen musste es ihm wohl misslungen sein. „Tut mir Leid.“, entschuldigte sich Frank. „Das Showgeschäft ist hart und so unecht, deswegen gewöhnt man sich einen Zynismus an, den man nicht mehr los wird.“ 
„Schon in Ordnung. Aber hey, dafür scheinst du ja wirklich eine Menge Kohle zu machen.“ 
Zwei sommerlich gekleidete junge Frauen setzten sich an den Nebentisch. Frank warf ihnen einen Blick zu. „Wie sieht´s mit der Mutter deiner Tochter aus, ist die über alle Berge oder einfach zu Hause geblieben, weil sie meiner Scharlatanerie nicht auf den Leim gehen wollte?“
„Weder noch. Gerade, als ich dir über den Weg gelaufen bin, war sie für kleine Mädchen. Schade, dass wir uns nach der Show nicht mehr gesehen haben, dann hättest du sie kennen gelernt. Aber das wirst du sicher noch.“
„Und jetzt sind deine beiden Frauen unterwegs, um mir meine männlichen Zuschauer für die nächste Show streitig zu machen?!“ Nun grinste auch Tom: „Ja, vermutlich.“
„Naja, über einen Zuwachs an weiblichen Zuschauern würde ich mich vermutlich nicht beklagen.“ Frank starrte aus dem Fenster. 
Einige Minuten und ein paar Drinks später beugte sich Tom ein Stück zu Frank herüber. „Mal ehrlich, Alter. Die ganzen anderen kannst du ja verarschen, aber wir kennen uns zu lange. Wie machst du das? Ich habe schon so einige Pseudozauberer gesehen und genug, die gerne welche wären, aber du stellst sie alle in den Schatten. Du lässt deine Tricks mit einer Ignoranz geschehen, als wären sie das Normalste auf der Welt. Als wäre gar kein Trick dahinter. Manchmal scheint es fast so, als wären diese Dinge für dich banal und verachtenswert. Was ist dein Geheimnis?“
Frank sah ihn etwas mitleidig an, dann winkte er ab. „Nichts weiter, als ein bisschen belanglose Zauberei.“ „Mit belangloser Zauberei gewinnt man aber nicht die Herzen tausender, begeisterter Zuschauer.“ „Ihr Herzen gewinne ich auch nicht, nur ihr Geld. Und das schaffe ich mit belangloser Zauberei“ Frank sah ihm tief in die Augen und sagte leise: „Aber nur, wenn es tatsächlich Zauberei ist. Für die einen belanglos, für die anderen unglaublich. Nicht mehr und nicht weniger als echte Magie.“ Tom schaute nun sehr verwirrt drein. Aber Frank blickte auf den Strohhalm in seinem Glas. Ohne, dass Frank etwas tat, zog sich plötzlich der Whisky-Cola im Glas im Strohhalm nach oben, bis der Strohhalm komplett gefüllt war. Dann schwebte er wie durch Geisterhand über Toms Glas, während Franks Augen ihm konzentriert folgten. Schließlich lief die Whisky-Cola Mischung hinunter in Toms Glas bis auch der Strohhalm hinunter fiel. „Scheiße tut mir Leid, jetzt habe ich dir ja deinen Vodka-Cranberry versaut. Ich bestelle dir einen neuen.“, sagte Frank, der beinah von Tom unterbrochen wurde: „Das war Wahnsinn!“ Er hatte mittlerweile riesige Augen bekommen und konnte nicht glauben, was er soeben gesehen hatte. 
Tom rang um Fassung. „Hey, wie... Alter, wow. Soll das bedeuten...? Aber das gibt es doch gar nicht. Da steckt doch ein Trick dahinter!“ Frank konnte sich ein schiefes, dennoch etwas gelangweiltes Grinsen nicht verkneifen: „Kumpel, ich verdiene 15 Millionen im Jahr mit solchen Kindereien. Und im Internet wirst du niemals Erklärungen für meine Kunststücke finden. Wenn es tatsächlich die Aliens geben sollte, die vermeintlicher Weise Uri Geller entführt haben, dann stamme ich definitiv von ihnen ab.“ Tom musste sich bemühen seine Kinnladen im Griff zu behalten, er war sprachlos. 
„Seit ich denken kann, geschahen immer wieder seltsame Dinge um mich herum, bis ich schließlich heraus fand, dass sie nicht einfach so geschahen. Nein, ich zog sie an. Diese Wunder entsprangen meinem Geist. Ich lernte die Dinge um mich herum zu kontrollieren und es wurde immer einfacher. Keine Ahnung, wieso das gerade bei mir so ist. Ich habe mit meinen Eltern nie darüber gesprochen, aber sie scheinen auch nichts davon zu wissen. Sonst hätten sie sich wohl spätestens mit mir zusammengesetzt und es mir erklärt, nachdem ich das erste Mal im Fernsehen aufgetreten bin.“ 
Jackie bekam sich langsam wieder unter Kontrolle: „Sag mal kannst du auch Gedanken lesen, oder andere Menschen manipulieren?“ 
„Nicht mehr als normale Menschen auch. Aber das ist auch nicht nötig, Frauen lassen sich so oder so schnell beeindrucken.“ 
„Ich wette, du hast haufenweise Groupies...“ Frank merkte, dass Tom diese Frage nun schon die ganze Zeit auf der Zunge lag.
„Ich würde die Frauen, die beim einkaufen zufällig sehen, wie eine Weintraube über meiner Hand schwebt, nicht unbedingt als Groupie bezeichnen.“ Frank zwang sich ein verschmitztes Lächeln ab. „Eigentlich ist das auf Dauer eher unbefriedigend. Es ist nicht anders als ginge ich zu einer Nutte. Nur, dass es hier noch einfacher und vor allem billiger ist.“
„Wie bitte!? Du führst das Leben, von dem so viele Männer träumen. Du bist praktisch ein verdammter Rockstar.“
„Ein verdammter Rockstar, ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Aber im Garten Eden gibt es nur Adam und Eva. Keine Nadine, Anna, Janine, Bettina oder Daniela. Der Träumer, der sich seiner Scham bewusst ist, bin ich. Es gehört nicht viel dazu, eine Frau ins Bett zu bekommen. Manche quatschen sie einfach voll, andere füllen sie ab und bei mir sind es ein paar dämliche Tricks, auf die sie herein fallen. An meinem Bett konnte ich bisher jedenfalls keine fest zaubern.“ 

Die Wochen vergingen. Frank telefonierte noch ein paar Mal mit Tom, aber den Einladungen endlich auch seine Frau und seine Tochter kennen zu lernen war er seltsamerweise nie gefolgt. Es hatte sich verlaufen und Frank war auch nicht gerade unglücklich darüber, jedoch ohne zu wissen wieso. 
Frank machte seine Shows und betrank sich recht häufig. Seit dem Abend mit Tom vermied er es jedoch Frauen abzuschleppen. Er verspürte einfach kein Bedürfnis danach, im Gegenteil. Es widerte ihn regelrecht an. 
Irgendwann, als er mal wieder seine Schnapsvorräte auffüllen wollte, ein paar Tiefkühlpizzen brauchte er auch, stolperte er dank eines lang anhaltenden Katers über den Einkaufswagen einer Frau. Sie sah ihn verächtlich an, bis sie schließlich laut loslachte. 
„Na, das war wohl etwas zu viel gestern Abend!?“
„Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube, wir sollten eher von heute Morgen sprechen.“ Frank rappelte sich hoch. Erst jetzt fiel ihm auf, wie hübsch sie war. Wie sie ihn so anlachte, ging es ihm gleich besser. Und ihr Duft war so unbeschreiblich, Frank hätte auf der Stelle die Augen schließen und in Gedanken abheben können. Für einen kurzen Augenblick fragte er sich, ob sie wirklich so gut roch, oder ob es vielleicht daran lag, dass sie sich in der Kosmetikabteilung des Supermarktes befanden. Und dann war sie weg. Frank hatte gar nicht bemerkt, wie sie weiter gegangen war. Entweder war er doch noch übler neben der Spur als er dachte oder... Oder was? Frank wusste es nicht, es war einfach eine sehr wunderliche Situation. Er spürte nur, dass etwas anders war. Etwas hatte sich verändert. Er fühlte sich nicht mehr ganz so, als hätte er die Nacht in einem leeren Fass Schnaps verbracht. 
Als er schließlich seine Einkäufe beisammen hatte und an der Kasse stand, sah er sie wieder, diese Frau. Er konnte sie durch die verglasten Schiebetüren des Supermarktes erkennen. In der Mittagssonne wirkte ihr Anblick noch glücklicher. Ihr Gesicht war leicht gerötet. Franks spürte wie sein Herz heftiger zu schlagen begann. Dieses Gefühl war ihm völlig neu, vor keiner seiner Shows war er so aufgeregt. Seine Zauberei hatte ihm immer eine Art Sicherheit gegeben, doch von der war er nun weit entfernt. 
Franks Kopf war vollkommen leer. Er hatte keine Ahnung, was er tun sollte. Er stand da wie gelähmt und sah wie diese Frau ihre Sachen in den Kofferraum lud und drauf und dran war davon zu fahren. Plötzlich kam er zu sich, als hätte ihn eine Unsichtbare Macht wach gerüttelt. „Entschuldigen Sie bitte, aber ich muss kurz raus. Ich komme sofort wieder und bezahle das.“

Montag, 22. Februar 2010

Zivi-Tagebuch 22.02.10 - Nix los

"Was treibt mein Lieblingsblogger in letzter Zeit eigentlich?" Für alle, die sich diese Frage schon gestellt haben und auch für die, die es einen Scheiß interessiert, gibt´s hier die spektakuläre Antwort:




Keine Antwort ist meistens zwar auch eine Antwort, aber in diesem Fall wirklich nicht. Ich frage mich selbst schon, was so im Arbeitsleben abgeht. In letzter Zeit bin ich leider nicht sehr oft zum Arbeiten gekommen, da ich erstens: die ganze Zeit krank bin und eine krasse Erkältung auskuriere und zweitens: zwischendurch in Hamburg auf einem Seminar für effektiveres Lesen war, für Zivis natürlich staatlich gefördert und subventioniert.
Anscheinend tat die Nordluft den kleinen Pennern von Bakterien in meinem Körper ganz gut, denn in Deutschlands zweitgrößter Stadt ist meine Erkältung nicht gerade besser geworden.
Ich wüsste gern, was meine Dienststelle von so einer Arbeitsmoral hält. Vielleicht wirft es nicht das beste Licht auf mich, wenn ich erst tagelang krank bin, dann meine Krankschreibung endet und ich einen Tag arbeite, anschließend nach Hamburg fahre um ab dem nächsten Arbeitstag wieder krank zu feiern. Obwohl das mit feiern nichts zu tun hat, ehrlich nicht. Ob ihr es mir glaubt oder nicht, wir haben außer dem Seminar in Hamburg nichts gemacht. Wir sind nicht losgezogen, haben keine Koks von den Ärschen irgendwelcher Nutten gezogen. Wir sind auch nicht ins Gefängnis gegangen und haben uns dementsprechend nicht direkt dorthin begeben, ihr kennt die Geschichte...
Wilde Nächte hatten höchstens die Jungs, die noch mit dabei waren, Low und zwei weitere Freunde, die auch Zivis sind. Ihren eigenen Angaben zufolge, konnten sie nachts kaum ein Auge zumachen, weil ich dank Erkältung lauter war als ein Soundtrack von Slipknot. Ich meine mich sogar an einen halbwachen Augenblick zu erinnern, als Low mir das Kopfteil meines Schlafsacks übers Gesicht geschmissen habe, damit ich endlich Ruhe geben. Das war dann wohl nachdem er gespannt neben mir lang und sich mit aller Gewalt zwei Kissen gegen die Ohren drückte. 

Ich seh es einfach so: Da ich jetzt sogar noch ein Antibiotikum verschrieben bekommen habe, kann ich nach meiner Erkältung gestärkt wie der Phönix aus der Asche wieder an die Arbeit gehen und mich meinen letzten Monat als arbeitender Zivi widmen. Ich kann allerdings nicht dafür garantieren, dass sich diese Einstellung mit meinen praktischen Ambitionen decken wird.

Gute Besserung, Staddicc!